Gottesdienst - Begegnung zwischen lebendigen
Menschen und dem lebendigem Gott
Kein einseitiges Geschehen ist der Gottesdienst, keine Einbahnstrasse von Oben nach Unten, sondern ein lebendiger Austausch. Nicht nur Reden auf der Seite Gottes und Hören auf der Seite der Menschen, sondern echte und wirkliche Kommunikation. Kommunikation aber bedeutet immer ein Wagnis. Ein Wagnis, sich der Ansprache und Antwort Gottes auszusetzen. Ein Wagnis für den Prediger, sich vermittelnd zwischen die Fragen und die Antworten zu stellen und in stetiger Gefahr, sowohl an den Hörern als auch am Wort Gottes vorbei zu gehen. Aber ein Wagnis, das man riskieren muss.
Sonntag für Sonntag kommen Menschen in den Gottesdienst und erwarten Trost, Stille, Ansprache und Antworten und Vieles mehr. Und ... sie erwarten dies zu Recht!
Soll Kommunikation gelingen, so muss der Prediger seine Ohren nach beiden Seiten hin offen halten. Hören auf das Wort Gottes, dies ist das Eine. Aber genau so intensiv muss er hören auf die Fragen der Menschen, die da kommen. Und sie erwarten in der Tat sehr viel. Ja, man müsste schon sagen, sie erwarten zu Recht: Alles.
Nicht einfach Lebenshilfe oder praktische Ratschläge für ein gelingendes Leben, moralische Aufforderungen zu gerechtem Teilen oder ökologische Appelle. Dies alles bieten Beratungs-stellen und bietet der Humanismus zuhauf.
Die sonntäglichen Hörer erwarten das "Heil", sie erwarten wesentlich mehr als wir zu denken in der Lage sind. "Heil" und "heil werden". Sonntag für Sonntag.
"Der Mensch würde nicht fragen, wenn Gott nicht schon geantwortet hätte!" hat es Karl Barth einmal formuliert. Das Angebot des "Heils" durch Gott geht der Frage und der Suche der Menschen nach "heilem Leben" voraus. Erst das gegebene und zugesagte "Heil" provoziert die menschliche Frage danach.